Erbkrankheiten beim Pudel Übersicht

Die gute Nachricht - durch die Bank sind die Pudel nach wie vor eine sehr gesunde Hunderasse.

 

Aber - es gibt leider auch Erbkrankheiten bei den Pudeln, eher selten, aber wir möchten hier einen Überblick über die vorkommenden Krankheiten bieten.

Viele Erbkrankheiten haben sowohl genetische wie auch umweltbedingte Einflussfaktoren. 

 

Welche Gesundheitsuntersuchungen für Pudel in den einzelnen VDH-Pudelklubs vorgeschrieben sind, finden Sie auf den Seiten des PZV82, des ADP, des DPK und des VDP.

 

 

Hüftgelenksdysplasie

kurz HD genannt. Bei dieser Erkrankung kommt es zu Veränderungen in der Ausprägung von Hüftgelenk und Hüftpfanne im Vergleich zu einer normalen Hüfte. Der Tierärztlichen Hochschule Hannover ist 2014 ein Durchbruch bei der Suche nach den HD-verursachenden Genen gelungen - für die Rassen Schäferhund und Berner Sennenhund konnten die relevanten Gene bereits identifiziert werden. Es werden weitere HD-befundetet Hunde gesucht, die für die weitere Forschung die Befunde und eine Blutprobe zur Verfügung stellen. Die Art des Befundes spielt keine Rolle. Bitte kontaktieren Sie hierzu die Tierärztliche Hochschule in Hannover

 

PRA - Progressive Retinatropie

Die Progressive Retinaatrophie (PRA) steht für eine Gruppe von erblich bedingten Photorezeptor- Störungen der Netzhaut, die bei verschiedenen Hunderassen durch unterschiedliche Mutationen hervorgerufen werden.
Die Progressive Retina Atrophie (PRA) ist eine fortschreitende Erkrankung der Netzhaut (Retina). Dabei werden die Photorezeptoren des Auges im Laufe der Zeit zerstört. Die Veränderungen verlaufen bilateral und symmetrisch. Zuerst verlieren die Stäbchenzellen ihre normale Funktion. Dies führt zu zunehmenden Nachtblindheit sowie dem Verlust der Anpassung des Sehvermögens. Durch die Degeneration der Zapfenzellen kommt es schließlich zur völligen Erblindung des Hundes. Der Beginn der Erkrankung variiert innerhalb einer Rasse, häufig erfolgt aber die Diagnose erst im Alter von ca. 6 Jahren.
Man unterscheidet sich spät entwickelnde degenerative Veränderungen von sich bereits im Welpenalter klinisch manifestierenden dysplastischen Störungen. Abgesehen vom Lebensalter, in dem die Erkrankung in Erscheinung tritt, sind die klinischen und ophthalmologischen Symptome ähnlich. Betroffene Hunde zeigen eine bilaterale Mydriasis, das Tapetum lucidum reflektiert verstärkt und das retinale Gefäßnetz erscheint atrophisch.

Für PRA gibt es inzwischen für alle Pudelgrößen einen Gentest.

 

Katarakt

umgangssprachlich "grauer Star" gennant, ist eine Eintrübung der Linse, die zur Blindheit führen kann. In der Zwischenzeit gibt es auch hierfür Behandlungsmöglichkeiten - bitte konsultieren Sie Ihren Tierarzt.

 

 

Patellaluxation

ist eine mehr oder weniger starke Verlagerung der Kniescheibe aus der Gelenksrinne. Hauptsächlich hiervon betroffen sind die kleineren Pudel.

Normalerweise bildet sich eine Patellaluxation innerhalb des Wachstums aus und ist beim Welpen noch nicht erkennbar. Ein Anzeichen ist, wenn der Hund beim Laufen immer mal wieder einen Hinterlauf anhebt und mit dem anderen Hinterlauf weiter "hüpft". Rechtzeitig erkannt, gibt es mittlerweile Behandlungsmöglichkeiten - bitte konsultieren Sie Ihren Tierarzt.

 

vWD - von Willebrand Erkrankung

Die von Willebrand Erkrankung (vWD) ist die häufigste vererbte Blutgerinnungsstörung von unterschiedlichem Schweregrad, die aus einem defekten oder gar fehlenden von Willebrand Faktor (vWF) im Blut resultiert. Der vWF ist ein wichtiger Faktor der Blutgerinnung. Ein fehlender oder defekter vWF hat zur Folge, daß betroffene Tiere bei Verletzungen sehr lange nachbluten und u.U. verbluten können. Die Blutungen betreffen Schleimhautoberflächen, verschlimmern sich durch physischen und psychischen Streß und andere Krankheiten.
Typische Anzeichen sind: Wiederholte Magen-Darm-Blutungen, mit oder ohne Durchfall, Nasenbluten, Zahnfleischbluten, verlängerte Blutung bei der Läufigkeit, Lahmheiten durch Blutungen in den Gelenken, Hämatome auf der Körperoberfläche, exzessive Blutungen von zu kurz geschnittenen Nägeln, nach dem Kupieren der Rute oder nach Operationen.
Man unterscheidet drei verschiedene Formen dieser Erkrankung (Typ 1, 2 und 3). Die vWD Typ1 ist die mildeste der drei Formen. Mit einer Prävalenzrate von ca. 70% erkranken Hunde der Rasse Dobermann besonders häufig an der vWD Typ 1. *(1)

Pudel haben vWD Typ 1 - also die milde Form. Hierzu gibt es bereits einen Gentest.

 

NE - Neonathale Enzephalopathie

Bei der Neonatalen Enzephalopathie (NEWS) handelt es sich um eine Fehlbildung des Kleinhirns aufgrund einer Mutation im CFA36-Gen, die beim Standard Pudel beschrieben ist.
Das CFA36-Gen codiert für den Activating Transcription Factor 2 (ATF-2), ein vollständiger Verlust dieses Proteins bei homozygot betroffenen Hunden führt zu einem verkleinerten Cerebellum, das häufig Fehlbildungen aufweist.
Erkrankte Welpen sind bereits bei der Geburt relativ klein und schwach, viele von ihnen sterben in der ersten Lebenswoche. Diejenigen, die die erste Woche überleben, entwickeln starke Ataxie und Tremor. Zwischen der 4. und 6. Lebenswoche treten häufig generalisierte tonisch-klonische Krampfanfälle auf, die kaum therapeutisch behandelt werden können. Bislang starben alle betroffenen Welpen oder mussten eingeschläfert werden bevor sie 8 Wochen alt waren. *(1)

 

Für Großpudel gibt es einen Gentest.

 

Degnerative Myelopathie

Die canine degenerative Myelopathie (DM) ist eine schwere neurodegenerative Erkrankung mit spätem Beginn ungefähr ab dem 8. Lebensjahr. Die Erkrankung ist durch eine Degeneration der Axone und des Myelins im Brust- und Lendenteil des Rückenmarks gekennzeichnet, was eine progressive Ataxie und Parese verursacht. Man beobachtet die ersten klinischen Anzeichen in der Hinterhand als Zeichen einer Störung des oberen Motoneurons. Es entwickelt sich eine unkoordinierte Bewegung der Hinterhand, eine gestörte Eigenwahrnehmung und gestörte Reflexe. Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, weitet sie sich auf die vorderen Gliedmaßen aus und manifestiert sich als schlaffe Parese und Paralyse. Die Degenerative Myelopathie wurde zuerst als eine Rückmarkserkrankung insbesondere beim Deutschen Schäferhund beschrieben. Neben dem Deutschen Schäferhund sind aber viele weitere Rassen von der degenerativen Myelopathie betroffen.
Als Risikofaktor für die Entwicklung einer DM wurde eine Mutation im Exon 2 des SOD1-Gens bei vielen Rassen nachgewiesen. Bei Berner Sennenhunden gibt es zusätzlich eine Mutation im Exon 1 dieses Gens, die ebenfalls mit der DM in Zusammenhang steht. Für den Berner Sennenhund können beide Mutationen untersucht werden. Die Anforderung kann zusammen oder einzeln erfolgen. *(1)

 

Für Degenerative Myelopathie gibt es einen Gentest.

 

Morbus Addison

ist eine Autoimmunerkrankung. Bei dieser Erkrankung zerstört das Immunsystem die Nebennierenrinde. Diese ist dann nicht mehr in der Lage das lebensnotwendige Cortisol zu produzieren. Die Erkrankung kann tödlich verlaufen. Anzeichen einer akuten Addisonkrise sind Lethargie, Kreislaufstörungen oder -zusammenbruch, Untertemperatur. Sollten Sie diese Anzeichen bei Ihrem Pudel feststellen - FAHREN SIE SOFORT ZUM TIERARZT oder in die nächste Tierklinik. Informieren Sie den Tierarzt über Ihren Addisonverdacht (nicht alle Tierärzte sind mit dieser Erkrankung vertraut). 1. Maßnahme: Blut abnehmen - 2. Maßnahme: Cortison. Ist die Krise überstanden, muss dem Hund lebenslang Cortison zugeführt werden. Er kann damit aber ein normales Hundeleben führen und auch alt werden.

 

 

Sebadenitis

gehört ebenfalls zu den Autoimmunerkrankungen. In diesem Fall greift das Immunsystem die Talgdrüsen an und zerstört diese letztlich. Eine Heilung ist nicht möglich - lediglich eine Behandlung der Symptome ist möglich. 

 

 

weitere Erkranungen:

- Magendrehung - von Magendrehung sind meist große Hunde mit einem tiefen Brustkorb betroffen.Symptome: Der Hund würgt, kann aber nicht erbrechen, Unruhe/Schmerzen, reduzierter Kreislauf. Wenn Sie dies bei Ihrem Hund feststellen FAHREN SIE SOFORT ZUM TIERARZT oder in die nächste Tierklinik. Es besteht aktue Lebensgefahr - jede Minute zählt.

- Epilepsie

- Schilddrüsenunterfunkiton

- Herzerkrankungen

 

Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

* (1) - Text mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von Laboklin GmbH & Co. KG