MEINE Gedanken zum Großpudel und zur Hundezucht

Der Pudel – insbesondere der Großpudel – ist kein Modehund. Und das ist gut so!

 

Wir möchten auch gerne, dass der Großpudel ein Hund für Liebhaber bleibt und nicht in Mode kommt wie Labrador, Golden Retriever & Co.

 

Sobald eine Rasse in Mode kommt, schießen „Zuchtstätten“ wie Pilze aus dem Boden. Ausschließlich damit die Nachfrage nach solchen Hunden „befriedigt“ werden kann. Ab diesem Moment geht es nicht mehr um die Rasse an sich, sondern um „Marktgesetze“ wie „Angebot“, „Nachfrage“ und „Gewinn“.

Unsere Hunde sind aber keine Sachen, die beliebig produziert werden können, nur weil sich gerade mehr Menschen für die Tiere interessieren, als Tiere ordentlich gezüchtet werden. Es kann sein, dass man auf einen gut gezogenen Großpudel warten muss.

Ja und? Das passt nicht in unsere Gesellschaft - ich sehe etwas - ich möchte etwas haben – jetzt sofort!

 

Großpudel sind intelligente, charmante und gut gelaunte Gefährten. Aber sie benötigen wesentlich mehr Pflege als der „Durchschnittshund“. Das Fell kann man nach Belieben scheren, aber geschoren werden muss es! Und auch Ausstellungshunde sind keine Sofakissen, die nur zur Ausstellung ausgeschüttelt werden und dann für 5 Minuten im Ring glänzen und den Rest des Jahres wieder auf dem Sofa verbringen. Großpudel sind agile lernwillige Hunde, die Bewegung und Anregung brauchen und ein ganz normales Hundeleben führen möchten. Dabei stört sie – versprochen – die Frisur in der sie gepflegt werden, nicht die Bohne. Das ist den Hunden völlig egal. Und wenn der Hund in Ausstellungsschur mal ein Schlammbad nimmt? Na und? Ausspülen, trocknen lassen, ausbürsten und gut ist es!

 

 

Großpudel sind im Durchschnitt sehr gesunde und sehr langlebige Hunde und wir möchten auch, dass das so bleibt.

 

Trotzdem können Großpudelzüchter nicht so tun, als wäre die gesamte Problematik moderner Hundezucht wie ein Kelch an ihnen vorübergegangen.

 

Jeder, der sich heute mit Hundezucht beschäftigt und vielleicht auch selber züchtet, steht vor der Situation, dass in vielen Hunderassen Erbkrankheiten auftreten; in den letzten Jahren und Jahrzehnten gehäuft.

 

Woher kommt das?

Die Ursachen liegen in der frühen Hundezucht, als die Rassen ausgebildet wurden. Es wurden ähnlich aussehende Hunde verpaart und vermehrt ingezüchtet, damit ein einheitliches Rassebild entsteht. Die Zuchtbücher wurden geschlossen, damit dieses einheitliche Bild erhalten bleibt. Nicht oder nicht ausreichend bedacht wurde dabei, dass durch Inzucht und Inzestzucht viele Gene verloren gehen und krankmachende Gene (Defektgene) aufgedoppelt wurden, woraufhin sich im Laufe der Zeit die ersten Erbkrankheiten zeigten.

 

Diese Effekte sind nicht neu. Bereits im alten Ägypten war es am Pharaonenhof üblich, dass Geschwister oder nahe Verwandte verheiratet wurden, damit die Herrschaft in der Familie blieb. So weit braucht man aber nicht zurück zu sehen, auch im mittelalterlichen Deutschland wurden in einigen Herrscherdynastien ähnliche Praktiken durchgeführt. Die Auswirkungen für die Nachkommen sind bekannt - Erbkrankheiten wie Wasserköpfe, sinkende Intelligenz, Skelettprobleme u.ä. bis zu mangelnder Lebens- und Überlebensfähigkeit waren die Folgen. Nicht umsonst sind solcherlei geschlechtliche Beziehungen unter Menschen verpönt oder strafrechtlich relevant. Nun sind Hunde keine Menschen, aber sie unterliegen denselben genetischen Gesetzmäßigkeiten. Bereits in den Vorworten der ersten Pudelzuchtbüchern steht, dass Inzucht ein probates Mittel ist, um das Aussehen der Hunde zu vereinheitlichen, dass dann aber wieder auf andere Zuchtmethoden zurück gegangen werden sollte.

 

 

Was können Hundezüchter tun?

Meine persönliche Meinung ist, wir können mit unseren Rassen nur weiter züchten, wenn wir möglichst weitläufig verwandte Hunde miteinander verpaaren. Dies bedeutet - wenigstens keine Hunde zu verpaaren, die in den ersten drei Generationen miteinander verwandt sind - die ersten fünf wären besser. Es geht darum, die genetische Variabilität zu erhalten.

 

Die Großpudelzüchter sind in der glücklichen Lage, auf die Pudelgesundheitsdatenbank zurück greifen zu können "Phrdatabase" In dieser Datenbank sind mittlerweile über 230.000 Großpudel eingetragen. Die Gesundheitsergebnisse der Ofa (Orthopaedic Foundation for Animals) werden automatisch eingetragen. Jeder Großpudelzüchter und -halter kann auch Gesundheitsergebnisse seiner Großpudel dort kostenlos eintragen lassen. Die Nutzung der Datenbank ist ebenfalls kostenfrei - man muss sich nur registrieren. Die Registrierungs- und Suchseiten gibt es auch ein einer deutschen Version. Für Züchter ist die hinter der phrdatabase stehende

"Standardpoodledatabase" eine große Hilfe. Mit dieser Datenbank können Testverpaarungen durchgeführt werden, Inzuchtkoeffizienten über 10 und 15 Generationen ermittelt werden, der genetischen Flaschenhals nach Wycliffe, es gibt eine Übersicht, wie oft ein Hund in welcher Generation im Pedigree vorkommt und einiges mehr. Die Standardpoodledatabase kann, gegen eine Spende von 75$ an die Poodle Club of America Foundation,  erworben werden. Dieses Geld dient ausschließlich und direkt der Forschung für die Gesundheit der Hunde.

 

Ein Problem ist, dass wir zwar mittlerweile in der Lage sind, Gesundheitsuntersuchungen bei Hunden durchführen zu lassen und einige Erbkrankheiten bereits durch Gentests abklären zu lassen, - aber – eben nicht alle. Unsere Hunde sind keine Maschinen, die wir auseinander nehmen, begutachten und wieder zusammenbauen können. Auch ein offensichtlich gesunder Hund trägt 3-6 Defektgene – genau wie jedes Lebewesen auch. Ob sich dann Krankheiten, die den Hund selber oder seine Nachkommenschaft betreffen, später im Leben herausbilden, das können wir nicht vorhersehen. Und selbst wenn wir weitere Möglichkeiten zu genetischen Tests auf Erbkrankheiten bekommen, heißt dies nicht, dass damit nun alle möglichen Erbkrankheiten entdeckt werden können. Es können auch Neue auftreten – egal wie viel wir untersuchen. Für mich ist es selbstverständlich alle möglichen Untersuchungen, die sinnvoll sind, natürlich auch durchführen zu lassen.

 

Einen weiteren Baustein im Puzzel liefert uns seit letztem Jahr die DLA Untersuchung des Immunsystems, die die Universität von Kalifornien in Davis entwickelt hat. Im Rahmen einer Reihenuntersuchung zur Entdeckung der verantwortlichen Gene für Autoimmunerkrankungen wurde diese Untersuchung entwickelt "UC Davis"

Dies ermöglicht die Zucht von Hunden, die ein genetisch variables Immunsystem haben. Noch wissen wir bei weitem nicht alles, aber ich freue mich über jeden Schritt in diese Richtung.

 

Wir alle wollen gesunde Hunde, und ein seriöser Züchter wird nie einen kranken Hund verpaaren. Trotz aller Vorsicht können jedoch Hunde geboren werden, die später an Krankheiten erkranken. Das will niemand, verhindern lässt es sich leider nicht. Selbst Mutter Natur "produziert" Erbkrankheiten in der Größenordnung von 2% des Bestandes - es ist nicht schön, aber diese Größenordnung ist dann leider "normal".

 

Der VDH und die FCI haben 2012 eine Gesundheitsinitiative in Sachen Rassehunde gestartet - die 2. Zusammenkunft war im Februar 2015. Auf die Ergebnisse können wir gespannt sein.

 

Auch Deckrüdenbesitzer sind gefragt!

Die Verantwortung für die Hundezucht kann nicht ausschließlich in den Händen der Hündinnenbesitzer liegen. Auch die Deckrüdenbesitzer benötigen grundlegende Kenntnis der Genetik – und man muss nicht zwangsläufig jeder angefragten Verpaarung zustimmen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Deckrüden auch nicht beliebig oft zur Zucht genutzt werden. Ansonsten machen wir den zukünftigen Züchtern das Leben schwer. Wie soll sinnvoll weiter verpaart werden, wenn einige Rüden in allen oder fast allen Linien stehen? Aktuelle Meinungen gehen davon aus, dass ein Rüde nicht mehr Deckakte in seinem Leben durchführen soll, als 5% der Anzahl in einem Jahr gefallener Welpen dieser Rasse.

 

Liebe Hündinnenbesitzer!

Bitte haben Sie Verständnis dafür, wenn wir eine Verpaarung ablehnen. Dies hat weder etwas mit der Qualität Ihrer Hündin noch mit Ihnen zu tun. Wir möchten ausschließlich unserer Verantwortung gerecht werden!

 

Noch ein Wort zu den „gesunden“ Mischlingen

Die vorhandenen Erbkrankheiten sind nicht rassespezifisch, auch dann nicht, wenn sie in bestimmten Rassen häufiger auftreten und in anderen fast gar nicht. Die Defektgene sind in unseren Hunden – sie stammen ja alle vom selben Vorfahren ab. Daher können Mischlinge auch nur so gesund oder so krank sein wie ihre Elterntiere bzw. die vererbten Gene, die diese Elterntiere tragen. Es gibt bei Mischlingen keine Informationen darüber, ob verwandte Tiere verpaart wurden, weil es keine Stammbäume gibt. Auch werden die Eltern von Mischlingen in der Regel nicht gesundheitsuntersucht, so dass nicht einmal die Möglichkeiten, die wir heute haben, ausgenutzt werden. Den Effekt, dass man eine hohe genetische Vielfalt durch die Verpaarung nicht verwandter Individuen erreicht, lässt sich bei einer Verpaarung nicht verwandter Rassehunde ebenso erzielen. Darüber hinaus sind Mischlinge genetische Wundertüten. Es ist auch nicht genau vorhersagbar, welche charakterlichen Eigenschaften sie wohl haben werden – vom Aussehen ganz zu schweigen. Ich habe keine Vorbehalte gegen Mischlinge, aber dann sollte man sich die Frage stellen, ob man nicht einem Hund aus dem Tierschutz den Vorzug vor einen Welpen geben sollte, der nur geboren wurde, weil die Mutter einen so netten Charakter hat…..