Unser Erfahrungsbericht nach 3 Monaten mit Tara

Nummer 5 lebt und ist ein brauner Ferrari!

 

Tara (ehemals Bracca) ist nun schon 3 Monate bei uns. Höchste Zeit einen Quartalsbericht zu schreiben – hier ist er, auch wenn ich erst einmal etwas ausholen muss:

 

Wir hatten uns entschieden, wenn Rapid in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist (noch geht es ihm sehr gut – er ist 11!), keinen Hund mehr zu halten. Trotzdem geisterte das Thema „Hund“ dauernd durch unsere Gespräche. Mein Mann war sich sicher – wenn Hund, dann Deutsch Kurzhaar (wie unser leider schon lange verstorbener Dor), für mich war eigentlich klar – ein Handtaschenhund, der möglichst wenig haart soll es sein. (Das eigentlich nur aus Rückenschutzgründen, da ich Rapid – er hat ein kaputtes Bein und ist 35 kg schwer – jeden Morgen, wenn mein Mann unterwegs ist (sonst muss er ihn tragen) die Treppe herunter ins Erdgeschoss tragen muss. Frau wird halt auch nicht jünger und Rapid alleine im Wohnzimmer schlafen zu lassen, bringe ich auch nicht fertig.) Unsere diesbezüglichen Diskussionen – schaffen wir das zeitlich mit einem zweiten Hund? Holen wir uns nicht einfach nur mehr Probleme ins Haus? Mit Rapid gab es nie Schwierigkeiten – auch ein Hund vom Tierschutz! Er blieb von Anfang an brav alleine, hat nie etwas kaputt gemacht, auch unseren Garten nicht umdekoriert, über Zäune klettern und springen kann er, wegen seines kaputten Beines auch nicht – und er findet alles, vom Tierarzt bis zum Briefträger, einfach nur klasse. Nur fanden wir es schade für ihn, da er sehr verträglich ist, dass er, auf Grund unserer Berufstätigkeit, viel alleine sein muss. Dazu muss ich sagen, dass er auf unserem großen Grundstück herumlaufen kann, meistens eh nur in der Sonne liegt und wenn ihm das Wetter nicht gefällt, kann er durch die Hundeklappe ins Haus und vor dem Ofen liegen – auch eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Also habe ich mich mit meinen Gedanken an unsere

familieninterne Hundekoriphäe, Herrn Kippes, gewandt, und ihm unsere Situation geschildert. Der meinte dann, dass es einem Tierheimhund bei uns wesentlich besser geht, als im Tierheim – das war schon mal ein viel versprechender Anfang. Und „Deutsch Kurzhaar“ – na ja, da war ja die Bracca seit einigen Monaten im Tierheim und es hatte sich trotz Fernsehauftritt in Manresa noch kein Liebhaber für sie gefunden. Wir haben dann noch einmal Kontakt mit dem Tierheim aufgenommen und uns für Bracca als Pflegestelle zur Verfügung gestellt, da wir uns zugetraut haben, sie in jedem Fall bis zur Vermittlung „durchschaukeln“ zu können, auch wenn es Schwierigkeiten gibt.

 

Im Juni habe ich Bracca dann in Fulda abgeholt. Frau Guim war so nett, sie aus Spanien mitzubringen. Und dann habe ich sie zum ersten Mal gesehen – ist die klein!!! Wir hatten bisher nur Rüden und auf den Internetfotos sah sie deutlich kräftiger aus! Rapid hatte ich mitgebracht, weil er mit Begeisterung Auto fährt und der „Neuen“ damit auch ihre Ängste nehmen könnte. Rapid wurde von Bracca aus der Transportbox heraus erst einmal kräftig angezickt – es war also eine schlechte Idee, ihn mitzubringen. Ich habe ihn dann vom Kofferraum auf die Rücksichtbank verfrachtet – natürlich angeschnallt mit Sicherungsgeschirr – und für Bracca den Kofferraum. Auf der Rückfahrt habe ich von Bracca nichts mitbekommen – sie ist ganz brav liegen geblieben. Zuhause angekommen, habe ich erst einmal Rapid in den Garten gelassen und dann Bracca hinterher. Die kriege ich nie wieder – sie ist erst einmal „losgestocht“ als wäre der Teufel hinter ihr her und hat sich dann unter unserer Hochterrasse – in der letzten Ecke hinter unserer Terrassenplatten-lagerstätte – ihren Ruheplatz gesucht. Da wollte ich sie natürlich nicht lassen und habe sie dann mit ins Wohnzimmer gelockt. Oh Wunder – sie kam auf ihren Namen direkt angerannt und hat sich mit Leckerchen versorgen lassen.

 

Mittlerweile hat sie sich ganz gut eingelebt und ich wollte gerne berichten was wir – Bracca und ich – so alles in den letzten Monaten gelernt haben:

 

Was Bracca gelernt hat Was ich gelernt habe
Es gibt so viele komische Geräusche hier (Panikattacke mit hin- und herrennen) Es gibt tatsächlich Hunde, die müssen jedes Geräusch einzeln kennen lernen.
Komisch, die (Rapid und wir) reagieren garnicht auf die Geräusche. Cool bleiben, es ist garnichts los.
Zickenzauber ist nicht erwünscht! Glücklicherweise reagiert Bracca gut auf "Nein"
Ich bin hier der dominante Hund Typisch Weib, aber Rapid kann ganz gut damit leben und wir sorgen dafür, dass er nicht zu kurz kommt.
Laufen am Herrchenbeschleuniger ist toll! Wenn mir klar gewesen wäre, was für einen Ferrari wir uns da angelacht haben, hätte ich statt eines Mountainbikes ein Rennrad gekauft....
Diese komischen Geräusche vom Herrchenbeschleuniger sind garnicht so schlimm.  Es ist schon tragisch, wenn Mann mal bremsen oder schalten muss.
Die merkwürdigen Lederdinger von Frauchen schmecken garnicht. Das Weib hat Geschmack, ausgerechnet die besten Schuhe meiner Frau muss sie aus dem Schuhschrank klauen. Und: Mit einem neuen Hund hat man besser keinen offen zugänglichen Kleiderschrank. Also hat Mann eine Westersaloon-Schwingtür in den begehbaren Kleiderschrank gebaut.
Hier in Deutschland schlafen die Hunde auf dicken, weichen, warmen Kissen. Dass unsere Sofakissen auch dazugehören, war uns nicht klar?
Diese komische schwarze Kiste, die immer Bilder und Krach macht, will ich auch mal einschalten. Genauso sieht unsere Fernbedienung jetzt auch aus.
Hier gibt es zweimal am Tag leckeres und ausreichendes Futter. Wir haben noch nie einen Hund gesehen, der vor Freude 360° Pirouetten drehen kann.
Bevor wir was zu Fressen bekommen, müssen wir uns immer auf den Popo setzen und auf das Kommando "Nimms" warten Aus 3 m Entfernung mit Anlauf in den Fressnapf springen, den ich noch in der Hand halte, finde ich auch nicht besonders witzig.
Rapid bekommt viel mehr Futter als ich.  Das stimmt nicht, Bracca bekommt mit ihren 22 kg genausoviel Futter wie Rapid. Das Hunde ihr Futter schnell fressen, wusste ich ja, dass man es aber auch inhalieren kann, war mir neu.
Obwohl ich viel weniger Futter als Rapid bekomme, darf ich ihn nicht von seinem Napf verdrängen. 14 Tage habe ich neben Rapid gestanden, und Bracca bei "Stehlversuchen" abgedrängt. Dann hat sie verstanden, dass sie Rapid in Ruhe zuende fressen lassen muss. Wenn jeder Hund nur aus seinem Napf frisst, kann man ggf. auch einfacher Tabletten verabreichen.
Ich habe jetzt einen neuen Namen. Ich heiße jetzt Tara. Die Nachbarn haben sich beschwert, ein so schöner Hund dürfe doch nicht "Bracca" heissen. (Bracca ist angelehnt an das spanische Braca für kurzhaarige Jagdhündin). Das klinkt viel zu sehr nach "Schabracke", wobei ich an eine Pferdedecke denken würde, meine Nachbarn aber an ein "abgetakeltes Weib". Na gut dachte ich, dann nennen wir sie eben Tara. Das klingt so ähnlich wie Bracca, darauf hörte sie schon gut, und so heißt die Plantage in "Vom Winde verweht". Bis mich dann der nächste Nachbar fragte, warum der Hund den "Verpackungsgewicht" heißt. Das war definitiv der erste und der letzte Versuch, den Nachbarn etwas recht zu machen.
In Urlaub fahren ist Klasse! 6 Wochen war Tara bei uns und hat auf der 10stündigen Fahrt in die Bretagne ganz brav neben Rapid auf der Rückbank geschlafen. Super!
Das Meer ist schön. Allerdings muss ich am Strand immer aufpassen, biss sie mir ein "Sicherheitszelt für arme Hunde" aufgebaut haben. Mir war auch nicht klar, dass die 0,3 mm Zeltleinwand unserer Strandmuschel eine solche Sicherheit bieten.
Hier bin ich abends immer gaaaanz müde. Nummer 5 braucht Input, dann ist sie auch ausgelastet.
Das war ein schöner Urlaub. War es auch und Tara war ganz brav.
Ich hab hier einen Job, ich muss Patroullie laufen und das Grundstück bewachen. Ist mir auch neu, dass wir jetzt einen "Wachhund" haben. Bisher mussten wir bei Gefahr immer selber bellen.
Nachbars Katze - hinterher! Es hat 8 Wochen gedauert, bis sie das Loch im Zaun gefunden hat. Ich habe es dann abends im Dunklen repariert, damit solche Ausflüge nicht zur Gewohnheit werden.
Dieses komische Stacheldings muss ich mal Frauchen und Herrchen zeigen. Ob das überhaupt im Garten herumlaufen darf? Na klasse, jetzt hat sie den Igel auch noch mit ins Haus gebracht. Jetzt darf ich Haus und Hunde gegen Flöhe behandeln und alle Hundedecken waschen.
Kuckt mal, im Vorgarten ist auch noch so ein Stacheldings.

Nicht schon wieder!

Übrigens ist weder Tara noch den Igeln was passiert. Sie hat die Igel ganz vorsichtig im Maul transportiert. Die Igel habe ich dann gegenüber auf einer großen Wiese ausgewildert.

Spazieren gehen ist Klasse.

Wenigstens für einen! Sie ist der erste Tierheimhund, der nach 3 Monaten bei uns immer noch nicht richtig an der Leine laufen kann. Auf jedem Spaziergang kracht sie mir mit Anlauf in die Schleppleine. Sie hat wohl einen Hals aus Edelstahl. Und wenn ich mir ansehe, wie geschickt sie sich entheddern kann, dann hat sie wohl an der Kette gelebt.

Ich bin der schnellste Küsser im Ort.

Ja, das stimmt. Sie springt mir noch immer mit Anlauf ins Gesicht. Dank Wurmkur beim Hund, habe ich auch keine Würmer bekommen. Es ist schon viel besser geworden, und meine Schneidezähne habe ich auch noch.

Ich bin ohnehin die Schnellste hier, dann könnte ich ja mal die Rudelleitung übernehmen.

Sicher nicht! Das diskutieren wir gerade aus!

Ich brauche auch nicht mehr mein -bitte-schlag-mich-nicht-ich-tu-Dir-auch-nichts-Gesicht zu machen, hier schlägt mich keiner!

Warum auch? Dafür kann sie jetzt ein wunderbares "Ellebelle"-Gesicht machen, ich weiß zwar, was Du von mir willst, aber ich will grad nicht. Wie gesagt, wir arbeiten gerade an der Rudelstruktur, die Rudelleitung wird sie aber definitiv nicht übernehmen.

Und was hat Rapid bei dem ganzen gelernt? Es ist schön, wenn Hund nicht mehr alleine ist. Wenn das Weib zickt, schaue ich einen anderen Weg und tue dann doch, was ich möchte. Erst macht sie immer Zickenzauber und wenn sie dann Angst bekommt, versteckt sie sich hinter mir! Glücklicherweise haben Frauchen und Herrchen je zwei Arme und können und beide gleichzeitig streicheln.

 

Und für uns heißt ein zweiter Hund:

 

Es muss uns immer gegenwärtig sein, dass wir wieder einen noch nicht (völlig) erzogenen Hund im Haus haben.

 

Die meisten Dummheiten, die sich Tara hat einfallen lassen, hätten wir verhindern können, wenn wir Punkt 1 bedacht hätten.

 

Für einen ängstlichen Zweithund ist ein souveräner Ersthund, der schon alles gesehen hat, eine deutliche Orientierungshilfe.

 

Zwei Hunde machen doppelt Freude und auch doppelt Arbeit.

 

Hätten wir unserem „Alten“ beigebracht, dass ein Kommando zur in Zusammenhang mit seinem Namen gilt, hätten wir es jetzt etwas einfacher.

 

Wenn man zwei clevere Hunde hat, dann merkt der andere, mit dem Mann sich gerade nicht beschäftigt, dass er in Ruhe „Dummheiten“ machen kann.

 

 

Das heißt für uns: wir müssen cleverer sein als die Hunde, und das sollten wir doch schaffen. Nachdem wir nun den dritten Tierheimhund haben, können wir feststellen, dass jeder Hund anders ist und auch unterschiedliche Methoden zur Erziehung braucht. Bei dem einen kann man – ohne Schaden anzurichten – auch mal etwas lauter werden, der nächste ist so sensibel, dass er dann abhaut um sich in Sicherheit zu bringen. Und jeder Hund hatte ein anderes „Trauma“, das bewältigt werden muss und wird. Wir müssen uns nur darauf einstellen. Bisher haben wir nur „Traumhunde“ vom Tierschutz gehabt und auch Tara ist auf dem besten Weg, ein Traumhund zu werden. Sie braucht wie alle Tiere aus dem Tierschutz vor allem Zeit um anzukommen und Zeit (und unsere Geduld) um alles zu lernen, was ein Hund können muss.

 

Ach ja, das Thema Pflegehund war für uns nach 14 Tagen ausdiskutiert. Da war uns klar, dass wir das mti dem zweiten Hund schon irgendwie schaffen würden - in jedem Fall wollten wir uns von Tara nicht mehr trennen!